Tandem
Literaturbericht zur Qualität von
Tandem - Vermittlungen
Ekaterina Popova, Europa-Universität
Viadrina (Frankfurt/Oder) 2001
Der vorliegende Artikel befasst sich mit der
Qualität von Tandem. Es geht darum, zu zeigen, wie ein Tandem
organisiert werden kann, so dass es seine Effektivität voll
entfaltet. Es wurde eine Liste von Kriterien erstellt, die für die
Organisation von Tandem relevant sind und anhand derer die
Effektivität der Arbeit einer Tandem-Zentrale kontrolliert werden
kann.
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Als Grundlage für die Kriterienliste diente das
"Handbuch zur Qualität der Weiterbildung" von Dieter
Gnahs (Gewerkschaft Erziehung und
Wissenschaft 1996). Es wurden weiter folgende Quellen
analysiert und für den Artikel genutzt:
Estevez & Llovet & Wolff (1989), Wolff
(1982), Brammerts & Kleppin (Hrsg.) (2001), Herfurth (1993), Künzle
& Müller (Hrsg.) (1990), Pelz (Hrsg.) (1995).
1.
Vorhandensein eines Lernerpotentials
2.
Geeignetes methodisch-didaktisches Konzept
3.
Professionelle Leitung
4. Personal
5. Ausstattung
6. Kontinuität
7.
Offenheit und Kooperationsbereitschaft
8.
Teilnehmerwerbung
9. Organisation
10. Vermittlung
11.
Unterstützendes Material
12.
Betreuung der Teilnehmer
Verfahren
zur Datengewinnung
Verwendung der
gewonnenen Daten
Schlussbemerkungen
Inputbezogene
Kriterien
1.
Vorhandensein eines Lernerpotentials
Es ist darauf zu achten, dass an dem Ort, wo eine
Tandem-Zentrale gegründet werden soll, ein Lernerpotential
vorhanden ist.
Es muss erforscht werden, ob unter der
einheimischen Bevölkerung Bedarf an Fremdsprachenlernen besteht und
welche Fremdsprachen gefragt sind. Es muss auch eine nicht geringe
Anzahl von Muttersprachlern präsent sein, die am Lernen der Sprache
des Ortes interessiert sind. Andernfalls ist die Gründung einer
Tandem-Zentrale an diesem Ort wenig sinnvoll. Es besteht aber die Möglichkeit
ein Email-Tandem mit Interessenten aus anderen Städten bzw. anderen
Ländern zu organisieren.
2.
Geeignetes methodisch-didaktisches Konzept
Jede Tandem-Zentrale muss über ein geeignetes
methodisch-didaktisches Konzept verfügen, in dem Ziele des Projekts
festgelegt sind und Schritte zu ihrer Verwirklichung bzw. Inhalte
des Projekts klar formuliert sind.
[Anfang]
3.
Professionelle Leitung
Eine Tandem-Zentrale muss von Personen geleitet
werden, die sowohl über einen einschlägigen Hochschulabschluss
(Sprachen, Fremdsprachendidaktik, Sozialarbeit, Psychologie), als
auch über Berufserfahrungen im Bereich Fremdsprachenunterricht und
über organisatorische Fähigkeiten verfügen.
4. Personal
4.1. Qualifikation
Bei der Auswahl der pädagogischen Fachkräfte,
die Tandem organisieren und betreuen sollen, ist auf folgende
Kriterien zu achten:
- möglichst abgeschlossenes Hochschulstudium in
den Fachrichtungen Sprachen, Fremdsprachendidaktik, Sozialarbeit,
Psychologie;
- Fachwissen in der Austauschdidaktik und
-methodik;
- Wissen über die Lebens- und Arbeitswelt der
jeweils anderen Kulturen, d.h. mehrfache oder längere Aufenthalte
in den Zielsprachenländern.
- Moderations- und Organisationsfähigkeit;
- Offenheit und Flexibilität: sich auf
unterschiedliche Mentalitäten mit anderen Gewohnheiten einstellen können.
4.2. Weiterbildungsmöglichkeiten
Alle Fachkräfte einer Tandem-Zentrale müssen
regelmäßig an Weiterbildungskursen und -veranstaltungen
teilnehmen.
4.3. Günstige Beschäftigungsbedingungen
Aufgaben und Pflichten von jedem Mitarbeiter müssen
klar definiert und bekannt gegeben werden. Die Tandem-Vermittlung
und -Betreuung muss als Arbeitszeit gerechnet werden.
[Anfang]
5. Ausstattung
Eine Tandem-Zentrale muß mit folgenden
Ressourcen ausgestattet sein:
-
Räume für Vorstellungsgespräche und
Beratung;
-
Postfach, Telefon, Fax, Computer mit
Internetanschluss;
-
Materialien:
-
Informationsmaterial;
-
unterstützendes Material;
-
Nachschlagewerke zur Organisation von Tandem;
-
Fragebögen zur Anmeldung und zur Evaluation
der Ergebnisse.
6. Kontinuität
Die Arbeit einer Tandem-Zentrale muss planmäßig
und kontinuierlich sein.
7.
Offenheit und Kooperationsbereitschaft
Für das erfolgreiche Funktionieren des
Tandem-Netzes ist die Zusammenarbeit von allen Tandem-Einrichtungen
erforderlich. Aus diesem Grund ist es notwendig, dass alle
Tandem-Zentralen Offenheit und Kooperationsbereitschaft miteinander
sowie auch mit anderen Sprachschulen, Universitäten, Schulen usw.
zeigen.
Falls mehrere Tandem-Zentralen am gleichen Ort
existieren, muss eine gemeinsame Datenbank oder eine Vernetzung der
Vermittlungszentralen geschaffen werden.
[Anfang]
8.
Teilnehmerwerbung
Die Teilnehmerwerbung ist ein wichtiger Aspekt in
der Arbeit einer Tandem-Vermittlungszentrale, denn das Angebot der
Zentrale muss für eine möglichst große Anzahl von Interessenten
erreichbar gemacht werden. Zu diesem Zweck muss die Zentrale
Informationsmaterial anfertigen und verteilen und
Informationsveranstaltungen durchführen.
8.1. Bei der Anfertigung von Informationsmaterial
(Werbeplakate, Handzettel usw.) ist folgendes zu beachten:
-
Anschrift, Telefon, Fax, Email der Zentrale;
-
Ansprechpartner;
-
Kosten;
-
Hinweise zur Anmeldung;
-
Hinweise auf Beratungsmöglichkeiten.
8.2. Streuung der Werbung
Die Tandem-Zentrale muss auch für eine
zielgruppenspezifisch möglichst breite Streuung der Werbung sorgen.
Es kommt bei der Tandem-Vermittlung oft zum Problem, dass sich ganz
viele Einheimische melden, die Fremdsprachen lernen wollen, aber
wenig Ausländer, die diese Sprachen muttersprachlich beherrschen
und selbst die Sprache des Ortes lernen wollen. In diesem Fall muss
die Zentrale nach Orten und Organisationen suchen, wo sich viel Ausländer
aufhalten (Hochschulen, Sprachschulen usw.) und dort gezielt werben
und nach Interessenten suchen.
Das Info-Material kann in Form von Werbeplakaten
an Sprachschulen, Volkshochschule, Hochschulen, Schulen, Universitäten
aufgehängt, als Handzettel verteilt, als Rundbrief an Fachkräfte
der oben genannten Einrichtungen geschickt werden usw.
8.3. Informative Veranstaltungsprogramme
Für die Personen, die sich für das Angebot der
Zentrale interessieren und nach weiteren Informationen suchen, muss
es informative Veranstaltungsprogramme geben, die Ziele, Inhalte und
den Ablauf des Tandem-Programmes ausführlich beschreiben.
8.4. Informationsveranstaltungen
Eine andere Form der Teilnehmerwerbung sind
Informationsveranstaltungen, die an Hochschulen, Schulen,
Volkshochschulen und anderen Ausbildungseinrichtungen durchgeführt
werden und über das Grundkonzept und die Möglichkeiten von Tandem
berichten.
[Anfang]
9. Organisation
Es sind folgende organisatorische Aspekte zu
beachten:
9.1. Die Anmeldung der Teilnehmer muss möglichst
einfach und schnell geschehen. Alle Interessierten füllen einen
Anmeldebogen aus und werden anschließend zu einem ersten
Kontaktgespräch mit dem Vermittler eingeladen.
9.2. Die Teilnahmebedingungen müssen klar
formuliert und den Interessenten zugänglich sein.
9.3. Beim Vertragsabschluss müssen die
Teilnehmer auf die Rücktritts-, Kündigungs- und
Partnerwechselbedingungen aufmerksam gemacht werden.
9.4. Die Teilnehmergebühr darf nicht höher
als von Tandem Fundazioa festgelegt sein.
9.5. Es muss allen Interessierten eine
freundliche und kompetente Beratung zur Verfügung stehen.
9.6. Die Anmeldebögen dürfen aus Datenschutzgründen
nur den Vermittlern zugänglich sein und müssen nach der
erfolgreichen Vermittlung den Teilnehmern zurückgegeben werden.
9.7. Nach einem erfolgreich abgeschlossenen
Tandem-Programm bekommen alle Teilnehmer auf Wunsch ein eindeutiges Zertifikat
mit den Angaben von Art, Dauer und Intensität des Programms.
[Anfang]
10. Vermittlung
Nach Estevez u.a. (1989), Wolff (1982) und
Müller (1988) ist die sorgfältige Auswahl vor der
Vermittlung der wichtigste Schritt in der Arbeit der
Tandem-Zentrale.
Die wichtigste Voraussetzung für ein
erfolgreiches Tandem ist ein echtes Interesse der Teilnehmer
aneinander, das sie veranlasst miteinander zu sprechen. Daher müssen
zunächst Interessen und Präferenzen von jedem Teilnehmer erforscht
werden.
Brammerts befasst sich in seinen Werken zu
Tandem sehr wenig mit den Problemen und Schwierigkeiten bei der
Vermittlung der Partner, konzentriert sich aber eher auf die
Beratung und Betreuung der Teilnehmer, denen er wesentlich größere
Bedeutung beimisst.
10.1. Erforschung der Bedürfnisse, Interessen
und Präferenzen der Teilnehmer
Alle Interessenten sollen bei der Anmeldung
einen Fragebogen ausfüllen, der Faktoren feststellt wie: Alter,
Wohngegend, Geschlecht, Ausbildung und Beruf, Hobbies und
Interessen, Lernmotive, Kenntnisstand, geplante Dauer und Intensität
der Teilnahme, Ansprüche an Tandem-Partner, Lehrerfahrung, verfügbare
Zeit.
Anschließend wird jeder Kandidat zu einem
Gespräch eingeladen, bei dem sich der Vermittler auch ein persönliches
Bild von dem Teilnehmer machen kann. Das erste Kontaktgespräch
dient auch dazu, alle möglichen Fragen und Missverständnisse zu
klären.
[Anfang]
10.2. Teilnehmerauswahl
Von einem darauf spezialisierten Vermittler wird
der Anmeldebogen mit den Anträgen aus einer anderen Nation
verglichen und die Auswahl der Tandem-Partner getroffen. Es müssen
dabei folgende Faktoren berücksichtigt werden:
Zeitbudget
Es ist darauf zu achten, dass die
Teilnehmer über ein gemeinsames Zeitbudget verfügen. Den Fall,
dass einer der Partner wesentlich mehr Stunden verlangt als der
andere, löst man, indem der eine mit mehreren Tandem-Partnern
unabhängig arbeitet.
Kenntnisniveau
Die Teilnehmer müssen auf einem
vergleichbaren Stand der Fremdsprachenkenntnisse sein.
Alter
Es ist darauf zu achten, dass der
Altersunterschied der Teilnehmer nicht zu groß ist. Bei einem größeren
Unterschied müssen die Teilnehmer gefragt werden.
Interessen
Es ist wünschenswert, dass die
Interessen der Partner zumindest in einem Punkt übereinstimmen.
Geschlecht
Falls hier Präferenzen gegeben sind, müssen
sie berücksichtigt werden.
Abneigungen
Hinweise auf Abneigungen müssen
ebenfalls berücksichtigt werden.
Politisches Interesse
kann in manchen Gegenden zu Problemen führen.
Wohnort
Die Wohnorte der beiden Partner sollten
möglichst nicht so weit voneinander entfernt sein.
Studium/ Beruf
Manche Teilnehmer werden wünschen, dass
ihr Tandem-Partner ein vergleichbares Ausbildungsniveau hat.
Gleiche Richtung ist nur bei Personen wichtig, die aus fachlichem
Interesse Tandem machen.
Lernmotive
Hier können sich Interessen und Präferenzen
zeigen, die berücksichtigt werden sollten.
Lehrerfahrung
Ist einer der Teilnehmer Anfänger, dann
ist es notwendig, dass der andere Lehrerfahrung hat, um ein für
beide Seiten effektives Tandem-Lernen zu ermöglichen.
[Anfang]
10.3. Vorstellungsgespräch
Nach der Partnerzuordnung werden die beiden
Tandem-Partner benachrichtigt und zu einem Vorstellungsgespräch
eingeladen.
Ort: Tandem-Zentrale
Das erste Treffen der Partner findet in
der Vermittlungszentrale in Anwesenheit von einem Mitglied der
Zentrale statt, der die beiden Teilnehmer einander vorstellt.
Lockerung
Der Vermittler regt ein kurzes Gespräch
an, um die Situation, die für die beiden Beteiligten manchmal
etwas peinlich ist, zu lockern.
Informeller Test
Falls der Vermittler die Kenntnisse der
Beteiligten nicht genug kennt, ist das Gespräch eine Möglichkeit,
einen besseren Überblick zu bekommen.
Herstellung der direkten Kommunikation
Das Vorstellungsgespräch soll den
Beginn der direkten Kommunikation zwischen den beiden Partnern
erreichen, indem z.B. Ort, Zeit und Häufigkeit der Treffen
ausgemacht werden. Das Gespräch soll in beiden Sprachen
abwechselnd geführt werden, damit sich die Teilnehmer gleich auf
den Sprachenwechsel einstellen könnten.
Tipps zum Verlauf
Der Vermittler gibt den Teilnehmern
Vorschläge für mögliche Aktivitäten und Themen, sowie auch
Hinweise zu Erklär- und Korrekturtechniken.
Nach Estevez u.a. (1989) und Wolff
(1982) müssen die Teilnehmer auch auf die Notwendigkeit der
strikten Sprachtrennung hingewiesen werden.
Herfurth (1989) ist hier aber
anderer Meinung: er erkennt die Übersetzung als eine effektive
Strategie zur Bedeutungsklärung an und schätzt sie positiv ein.
Einweisung ins Material
Die Teilnehmer erhalten unterstützendes
didaktisches Material, das ihnen bei der Organisation von Tandem
helfen soll. Beim Vorstellungsgespräch bekommen sie vom
Vermittler Ratschläge, wie sie mit dem Material arbeiten können.
Organisatorische Klärung
Am Ende des Gesprächs muss jeder
Teilnehmer Name, Adresse, und Telefonnummer des Partners, Ort und
Zeit der Treffen und die Telefonnummer der Vermittlung haben. Der
Vermittler kontrolliert, dass die beiden Partner die
Vermittlungsgebühr gezahlt haben und gibt ihnen die Anmeldebögen
zurück.
[Anfang]
11.
Unterstützendes Material
Da es bei Tandem um das selbständige Lernen
geht, bei dem die Tandem-Partner selbst die Lehrerrolle übernehmen,
kommt dem unterstützenden Material besondere Bedeutung zu.
Es herrscht in der didaktischen Literatur
Einigkeit darüber, dass eine Materialiensammlung für Tandem
notwendig ist, hinsichtlich der Inhalte der Materialiensammlung gibt
es aber unterschiedliche Meinungen.
Nach Estevez u.a. (1989) und Wolff
(1982) soll die Materialiensammlung für Tandem folgendes
beinhalten:
Gensen (1997:68) meint, dieser Teil der
Materialiensammlung soll aber nicht zu umfangreich sein, da sonst
die Möglichkeit besteht, dass es den Tandem-Lernern zu mühselig
wird, die gesamten Informationen zu lesen.
-
Anhaltspunkte für die
nicht-vorstrukturierte Tandem-Zeit, z.B. Themenvorschläge,
Gesprächsintentionslisten, die sich eignen, neue Wortfelder
zu erarbeiten (Estevez u.a. 1989: 155, Gensen 1997: 71).
Brammerts (2001: 101) meint, eine wichtige
Hilfe für die Tandem-Arbeit sind Aufgaben, in denen konkrete
Aktivitäten für ein Tandem-Treffen vorgeschlagen werden.
Nach Müller u.a. (1990: 155) und
Gensen (1997: 67) scheint es aber wenig sinnvoll, eine
feste Aufgaben-Sammlung zu erstellen, die an alle Lerner abgegeben
wird. Da nicht voraussehbar ist, welche Richtung die Tandems
einschlagen, soll möglichst ein offenes für Lerner transparentes
Materialangebot bereitgestellt werden.
Nach Gensen (1997: 71) soll die
Materialiensammlung auch einen Grammatikleitfaden enthalten, da
die Teilnehmer, die sich mit dem Aufbau und dem Regelwerk der
eigenen Sprache nie bewusst auseinandergesetzt haben, oft Probleme
mit Erklärungen in der Muttersprache haben.
Brammerts (2001), Müller (1990)
und Herfurth (1993) äußern sich weder pro noch contra
Grammatikinhalte. Nach Wolff ist die Grammatik für die
Teilnehmer überflüssig und soll in den Händen des Beraters
bleiben.
Estevez u.a. (1989: 154) meinen, ein
Formelliste zur Erleichterung der Verständigung am Anfang kann
auch sehr hilfreich sein und schließen sie in die
Materialiensammlung ein.
[Anfang]
Es gelten weiter folgende Anforderungen an die
Materialiensammlung:
-
Das Material soll in Themen und
Schwierigkeitsgrad teilnehmerorientiert sein.
-
Es soll in verständlicher Sprache
abgefasst sein und klare Arbeitsanweisungen enthalten.
-
Es soll anschaulich sein, d.h. nicht nur
Text, sondern auch Bilder, Fotos usw. enthalten.
-
Es soll zu Eigenaktivitäten und
Zusammenarbeit anregen. Die Aufgaben sollen zu einer persönlichen
Auseinandersetzung mit den Menschen und dem Umfeld beider
Kulturen motivieren, sowie das gegenseitige Lernen der
Sprachen ermöglichen.
-
Es sollen Aufgabenstellungen gegeben
werden, die die beiden Beteiligten motivieren. Der jeweilige
Tandem-Partner soll nicht nur auf seine erklärende Funktion
reduziert werden, sondern auch selbst zur aktiven Mitarbeit
angeregt werden (Deutsch-französisches Jugendwerk 1999:
80).
-
Es soll systematisch aufgebaut sein.
12.
Betreuung der Teilnehmer
Tandem ist ein autonomer und selbständiger
Vorgang. Er fördert die Selbständigkeit von Lernern durch die
Eigenverantwortlichkeit für die Lernzeit und Lernmethoden, das
Streben nach selbständig gesetzten Zielen und Verantwortlichkeit für
den eigenen Lernerfolg oder Misserfolg. Eine Möglichkeit,
erfolgreiches Tandem-Lernen zu erreichen, ist Betreuung und Beratung
der Teilnehmer. Wolff (1982) meint, nachdem die
Vermittlungszentrale Tandem-Paare gebildet hat, soll sie sich weiter
regelmäßig um die Teilnehmer kümmern. Somit ist die Betreuung der
zweitwichtigste Aspekt bei der Organisation von Tandems.
Nach Brammerts (2001), der im wesentlichen
auf die Vermittlung verzichtet, bildet die Betreuung und Beratung
der Teilnehmer den wichtigsten Teil der Arbeit einer
Tandem-Zentrale.
12.1. Ziele der Tandem-Betreuung und -Beratung
-
Die Betreuung und Beratung sollen den
Lernern helfen das Potential des Lernkonzepts Tandem voll
auszuschöpfen.
-
Nach Beobachtung von Brammerts
u.a. (2001: 53) zeigen vorher gegebene Anleitungen und
Erklärungen vielfach nicht die erhoffte Wirkung. Erst in
Beratungsgesprächen scheinen manche Lerner über ihr eigenes
Lernen zu reflektieren und Veränderungen anzustreben.
-
Die Lernberatung muss darauf ausgerichtet
sein, dass jeder einzelne Teilnehmer die für ihn passenden
Ziele und Methoden finden kann.
12.2. Inhalte der Tandem-Beratung und -Betreuung
Der Berater kann den Lerner insbesondere bei den
Fähigkeiten unterstützen:
-
über die eigenen Lernziele selbst zu
entscheiden;
-
sinnvolle Lernmöglichkeiten zu finden und
sie optimal auszunutzen;
-
über die eigenen Lernprozesse zu
reflektieren, mit dem Ziel sie steuern zu lernen.
12.3. Formen der Tandem-Betreuung
Die Tandem-Lernerbetreuung kann sowohl in Form
von einem individuellen Beratungsgespräch , als auch in Form von
einem Gruppentreffen durchgeführt werden.
Ein individuelles Beratungsgespräch ist direkt
auf eine Person oder auf ein Tandem-Paar abgestimmt: dem Lerner
(dem Paar) steht ein Lernexperte zur Verfügung, dessen Aufgabe es
ist, sich auf diese Person einzulassen und ihr (ihnen) dabei zu
helfen, seinen (ihren) Lernprozess zu optimieren. Es ist dabei
wichtig, dass das Beratungsgespräch in einem Raum stattfindet,
der möglichst frei von äußeren Störfaktoren und
Unterbrechungen ist.
Bei einem Gruppentreffen geht es um
Lernerfahrungsaustausch zwischen mehreren Tandem-Paaren: die
Teilnehmer - angeleitet vom Berater - diskutieren über Lernerfolg
und Lernschwierigkeiten mit dem Ziel, ihr eigenes Lernverhalten
effektiv zu gestalten.
12.4. Intensität der Tandem-Betreuung
Alle Tandem-Lerner müssen alle vier bis sechs
Wochen zu einem Beratungsgespräch oder zu einem Gruppentreffen
eingeladen werden.
Es soll weiterhin für alle Teilnehmer auch eine
Möglichkeit bestehen, nach Bedarf einen Termin für ein
Einzelberatungsgespräch auszumachen. In dieser Hinsicht sind die
Erreichbarkeit der Berater und die Schnelligkeit der
Terminvereinbarung wichtig.
[Anfang]
Outputbezogene
Kriterien
Es muss für alle Tandem-Zentralen ein Qualitätsmanagement-System
entwickelt werden mit dem Ziel, die Effizienz der Zentralen zu
kontrollieren und zu sichern.
Die wichtigsten Aufgabenbereiche des Qualitätsmanagement-Systems
sind die Datengewinnung zur Evaluation der Ergebnisse und die
Datenauswertung und -nutzung.
1. Es gibt folgende Verfahren
zur Datengewinnung:
1.1. Lernerfolgskontrolle durch Befragung aller
Teilnehmer und gemeinsame Auswertung mit anschließender Diskussion.
Es müssen dabei folgende Aspekte berücksichtigt werden:
-
Grad der Zufriedenheit der Teilnehmer;
-
Erreichen des formulierten Ziels;
-
Leistungsverbesserung;
-
Anwendbarkeit des Gelernten in der Praxis.
1.2. Befragung der Vermittler und Berater. Zu
beachten sind:
1.3. Analyse der Teilnehmerzahl im Verhältnis
zur Größe der Einrichtung.
1.4. Analyse der Inanspruchnahme der
Supportstrukturen (Beratung und Betreuung): Intensität und Grad der
Zufriedenheit der Teilnehmer.
2. Die gewonnenen
Daten
müssen analysiert und für Forschung und
Fortbildung genutzt werden.
[Anfang]
Schlussbemerkungen
Der vorliegende Artikel enthält einen
Literaturbericht zum Thema Tandem Ende des Jahres 2001. Es wurden
mehrere Werke zu diesem Thema analysiert mit dem Ziel eine Qualitätskriterienliste
zur Tandem-Organisation zu erarbeiten. Es lässt sich folgendes
feststellen:
Sprachenlernen in binationalen Kontexten und
speziell Tandem haben in den letzten Jahren stark an Popularität
gewonnen, das merkt man an zahlreichen Publikationen zu diesem
Thema. Der Vergleich und die kritische Überprüfung der
vorhandenen Literatur haben gezeigt, dass sich viele Forscher auf
einzelne Aspekte des Sprachenlernens im Austausch konzentrieren.
Auf diese Weise wird das Thema Tandem in mehrere Bereiche geteilt,
und es kommt es in mehreren Aspekten nicht zu einem
Meinungsaustausch bzw. zu einer wissenschaftlichen Diskussion.
Eine Ausnahme bildet das vergleichende Werk von Hans-Erich
Herfurth (1993) "Möglichkeiten und Grenzen des
Fremdsprachenerwerbs in Begegnungssituationen".
Es bestehen Fragen und Probleme, die aufgrund
fehlender empirischer Daten noch nicht gelöst worden sind, wie
z.B. Sprachentrennung und Sprachenwechsel beim Tandem-Lernen,
Inhalte der Materialiensammlung für Tandems, Effizienz von
vermittelten Paaren im Vergleich mit spontan gebildeten usw.
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TANDEM-Preis
Diese und andere Forschungen sind die Grundlage für die Tandemvermittlungs-
Qualitätskriterien.
[Anfang]
Bibliographie
-
Brammerts, Helmut (1993):
"Sprachenlernen im Tandem". In: FMF/ Pelz, Manfred/
Raasch, Albert (Hgg.): Fremdsprachen für die Zukunft -
Nachbarsprachen und Mehrsprachigkeit. Saarbrücken: Ottweiler:
121-133. ISBN-0935-8544
-
Brammerts, Helmut/ Kleppin, Karin (Hgg.)
(2001): Selbstgesteuertes Sprachenlernen im Tandem. Ein
Handbuch. Tübingen: Stauffenburg. ISBN 3-86057-920-7
-
Brammerts, Helmut/ Calvert, Mike/ Kleppin,
Karin (2001): "Ziele und Wege bei der individuellen
Lernberatung". In: Brammerts, Helmut/ Kleppin, Karin
(Hgg.): Selbstgesteuertes Sprachenlernen im Tandem. Ein
Handbuch. Tübingen: Stauffenburg: 53-61.
-
Brammerts, Helmut/ Karin Kleppin (2001):
"Hilfen für Face-to-face-Tandem". In: ebd. (Hgg.):
Selbstgesteuertes Sprachenlernen im Tandem. Ein Handbuch. Tübingen:
Stauffenburg: 95-109.
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Tandem-Methode. Theorie und Praxis in deutsch-französischen
Sprachkursen. Stuttgart u.a.: Klett. ISBN 3-12-520890-4.
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Sprachenlernen im Tandem: "Du hilfst mir lernen, ich helfe
Dir lernen, und so verstehen wir uns besser!"
Magisterarbeit Deutsch als Fremdsprache Universität Hamburg.
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(1989): "Das Modell TANDEM und die interkulturelle
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Bernd-Dietrich (Hrsg.): Anders lernen im
Fremdsprachenunterricht. Experimente aus der Praxis. Berlin
u.a.: Langenscheidt: 143-163. ISBN 3-486-49436-X
-
Gensen, Ylva (1997): Materialien für den
Deutschunterricht durch Laien. Begleitforschung zur Einführung
des Tandem-Lernens an der Universität Marburg. Magisterarbeit
Deutsch als Fremdsprache Universität Marburg.
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Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Hauptvorstand. ISBN
3-930813-16-5
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Herfurth, Hans-Erich (1993): Möglichkeiten
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Zu einer Didaktik des Fremdsprachenlernens im Tandem. München:
iudicium. ISBN 3-89129-254-6
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Künzle, Beda/ Müller, Martin (Hgg.) (1990):
Sprachen lernen im Tandem. Freiburg Schweiz: Universitätsverlag.
ISBN 3-728-0727-X
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Künzle, Beda/ Müller, Martin (1990):
"Materialtips für Tandem-Organisatoren und
Tandem-Lerner". In: Künzle, Beda/ Müller, Martin (Hgg.):
Sprachen lernen im Tandem. Freiburg Schweiz: Universitätsverlag:
185-205.
-
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Formen beim Fremdsprachenlernen". In: Fremdsprachen und
Hochschule, 23: 22-48. ISBN 0178-0336.
-
Müller, Martin (1990): "Tandem-ein
facettenreiches Untersuchungsfeld. Fragen, Anregungen,
Ideen". In: Künzle, Beda/ Müller, Martin (Hgg.): Sprachen
lernen im Tandem. Freiburg Schweiz: Universitätsverlag:
137-145.
-
Müller, Martin/ Schneider, Günther/
Wertenschlag, Lukas (1990): "Autonomes Lernen im
Tandem". In: Künzle, Beda/ Müller, Martin (Hgg.):
Sprachen lernen im Tandem. Freiburg Schweiz: Universitätsverlag:
155-173.
-
Pelz, Manfred (Hrsg.) (1995): Tandem in der
Lehrerbildung, Tandem und grenzüberschreitende Projekte.
Frankfurt/ Main: Verlag für Interkulturelle Kommunikation. ISBN
3-88939-026-9.
-
Wolff, Jürgen (1999): "Hält Tandem,
was es verspricht?". In: Barkowski, Hans/ Wolff, Arnim
(Hgg.): Alternative Vermittlungsmethoden und Lernformen auf dem
Prüfstand. Wissenschaftssprache - Fachsprache. Landeskunde
aktuell. Interkulturelle Begegnungen - interkulturelles Lernen.
Regensburg: Fachverband Deutsch als Fremdsprache: 141-148. ISBN
3-88246-203-5.
-
Wolff, Jürgen (1982): "Von der
wirklichkeitsnahen Organisation des Unterrichts zur lernfördernden
Organisation der realen Kommunikation - TANDEM-Kurse". In:
Zielsprache Deutsch, 3 Juli-August-September: 21-28.
[Anfang]
Tandem-Materialien-Katalog
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