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Fortbildung
Dawn D'Atri & Sandra Szymanski, PARVIS
eTandem
Die Internationalen Tandem Tage finden im Jahr
2001 im Internet statt, thematisieren unter anderem Mehrsprachigkeit
und in wieweit das Internet beim Sprachenlernen Möglichkeit zur
Kommunikation bietet. Dieser Beitrag spricht beide Themen an, denn
Sprachenlernen im eTandem bedeutet Tandem über größere Entfernung
mit Hilfe von elektronischen Medien, wie z.B. das Internet oder
Telefon.
Was macht ein eTandem aus?
Tandem hat sich in vielen Bereichen schon lange
als Möglichkeit des fremdsprachlichen Weiterlernens bewährt.
Elektronische Medien wie Internet oder Telefon bieten die Möglichkeit,
mit Tandempartnern überall auf der Welt zusammenzuarbeiten, egal wo
man sich befindet.
eTandem-Partner kommunizieren über größere
Entfernung
·über das
Internet:
oper E-Mail
(schriftlich und asynchron)
oals
Voice-Mail (mündlich und asynchron)
oin MOOs
und als Chat (schriftlich und synchron)
·per Telefon oder
auch in Videokonferenzen (mündlich und synchron).
Man kann im eTandem zeit- und ortsunabhängig
arbeiten. Daher ist es beispielsweise gut für Berufstätige
geeignet, die neben der Arbeit keine Zeit haben, einen Sprachkurs zu
besuchen. Es lässt sich jedoch auch mit einem Sprachkurs
kombinieren: Im Kurs erworbene Fremdsprachenkenntnisse können im
eTandem gleich in die Praxis umgesetzt und trainiert werden. Wenn möglich,
sollten Tandempartner asynchrone und synchrone Kommunikationsformen
miteinander kombinieren, denn beide bieten Vorteile.
[Anfang]
Die verschiedenen Medien im
eTandem
Der Zugang zu authentischen fremdsprachlichen
Texten ist durch die Entwicklung der Medien in den letzten Jahren
immer einfacher geworden. Fremdsprachenlerner finden nicht nur in
Bibliotheken, Mediotheken und in den Massenmedien ein reichhaltiges
Angebot, sondern nun bietet das Internet auch immer mehr Möglichkeiten,
sich fremdsprachlich weiterzubilden.
Für Tandem ist die Entwicklung kostengünstiger
Kommunikationsmedien um so interessanter, da Lernpartnerschaften nun
auch über größere Entfernungen problemlos gebildet werden können:
Beide Partner können von ihren Heimatländern aus miteinander über
verschiedene Medien kommunizieren und lernen:
·eTandem ist
nicht nur auf schriftliche Briefkontakte über das Internet
(E-Mail) beschränkt. Den E-Mail-Nachrichten können ohne
weiteres Ton- und Bilddokumente beigefügt werden.
·Die Kosten für
internationale Telefonate sinken ständig, so dass sich die
Partner preisgünstig auch von Zeit zu Zeit anrufen können.
·eTandem-Partner
können sich auch zu einem bestimmten Zeitpunkt im Internet
verabreden und synchron schriftlich, beim Chat oder in MOOs
kommunizieren. MOOs sind durch Texte beschriebene
virtuelle Realitäten, in denen man sich bewegen, Räume und
Landschaften anlegen und sich mit anderen Personen unterhalten
kann, die sich von irgendwo in der Welt mit diesem MOO verbunden
haben. Die technischen Anforderungen sind gering
und die benötigten Programme sind meist gratis.
E-Mail-Tandem ist die erschwinglichste und am häufigsten
praktizierte Form des eTandems. Es handelt sich um asynchrone
Kommunikation, d.h. auf die Nachrichten des Partners kann ohne
unmittelbaren Zeitdruck geantwortet werden. Die Lerner können den
Zeitpunkt für die eTandem-Arbeit in ihren persönlichen Zeitplan
einpassen, denn sie müssen ja nicht direkt auf die Äußerungen des
Partners reagieren. Außerdem können Hilfsmittel wie Wörterbuch
und Grammatik eingesetzt werden. Diese Form des eTandems kann schon
mit wenigen Vorkenntnissen praktiziert werden, da man die Hälfte
der Zeit, die für jede Nachricht aufgebracht wird, in der eigenen
Muttersprache schreibt, um dem Partner fremdsprachlichen Input zu
geben.
eTandem per Telefon oder auch in Chats oder MOOs
ist synchrone Kommunikation. Hier sind schnelle Reaktionen gefragt,
doch auch spontane Kommentare und Rückfragen zu Inhalten und
Formulierungen sind möglich. Telefon-Tandem lässt sich sehr gut in
Kombination mit E-Mail-Tandem einsetzen: Korrekturen lassen sich
beispielsweise schnell und effektiv besprechen und so kann beim
Schreiben Zeit eingespart oder anders verwendet werden.
Für die Kombination synchroner und asynchroner
Medien spricht auch die Sicherung der sozialen Beziehung zwischen
den Partnern: Im direkten Dialog lernen sich die Partner besser
kennen, man kann Probleme und Missverständnisse leichter klären.
Darüber hinaus wirken Komik und Witz beispielsweise bei direkter
Reaktion anders als bei zeitversetzter Kommunikation.
[Anfang]
Ein Beispiel
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Uwe, 33, ist Geschichtslehrer von Beruf und reist gern.
Sein Traumziel sind die Schottischen Highlands, wo er so oft
wie möglich hinfährt. Gern würde er seine eingerosteten
Englischkenntnisse aufbessern, und darüber hinaus auch regelmäßiger
anwenden. Dabei hilft ihm die Arbeit mit seiner
eTandem-Partnerin Rosemary, 67, aus Glasgow. Von Beruf war sie
früher Buchhalterin und seitdem sie sich zur Ruhe gesetzt
hat, kann sie nun ihren vielseitigen Interessen nachgehen, vor
allem der deutschen Geschichte. Sie schreiben sich mindestens
einmal in der Woche e-Mails - Uwe stellt Fragen zu Rosemarys
Leben in Schottland, worauf sie gerne antwortet. Dabei
korrigiert sie nicht nur seine Fehler, sondern Uwe kann aus
ihren auf englisch abgefassten Berichten eine Menge an neuen
Wendungen lernen. Als Geschichtslehrer weiss Uwe Rosemarys
Wissensdurst zur Geschichte der ehemaligen DDR zu stillen.
Gelegentlich treffen sie sich auch zu einem Chat und
telefonieren mindestens einmal im Monat. So wird auch das
Sprechen und Hören nicht vernachlässigt und die zuletzt
ausgetauschten e-Mails können auf diesem Wege schnell
korrigiert werden und einige Fehler noch mal besprochen
werden. Für seinen nächsten Urlaub hat Uwe bereits einen
Zwischenstop in Glasgow eingeplant. |
Hilfen für eTandem-Lerner
eTandem bedeutet individuelles und
selbstgesteuertes Lernen: Die Lerner entscheiden, wie sie lernen und
was sie lernen. Anders als bei einer Brieffreundschaft steht für
beide Partner der Wunsch im Vordergrund, voneinander zu lernen und
einander zu helfen. Die dabei vorausgesetzte Fähigkeit zum
autonomen Lernen müssen allerdings viele Lerner erst noch
entwickeln, dazu sind verschiedene Hilfen notwendig.
Eine Form solcher Hilfen sind schriftliche
Arbeitsmaterialien. Diese sollten
·die Grundlagen
des Tandemlernens erläutern,
·spezielle
Techniken für das Sprachenlernen im eTandem vorstellen,
·in verschiedenen
Sprachen vorliegen,
·auf individuelle
Lernbedürfnisse eingehen, z.B. eTandem für Übersetzer,
bestimmte Berufsgruppen oder über verschiedene Medien.
[Anfang]
Einzellerner müssen in jeder Etappe ihres
Lernprozesses auf entsprechende Arbeitsmaterialien zugreifen können:
·Gleich bei der
Vermittlung eines eTandem-Partners werden Basismaterialien benötigt,
die die ersten Schritte in einer eTandem-Partnerschaft erläutern
und bei der Organisation des Lernens helfen.
Wenn erste Erfahrungen mit dem eTandem-Partner
vorliegen, die eigenen Lernbedürfnisse klarer werden, Lernziele
sich verändern oder der eigene Lernfortschritt evaluiert werden
soll, kann der Bedarf nach entsprechenden Zusatzmaterialien
entstehen.
Die effektivste Form der Betreuung für
eTandem-Lerner ist die individuelle Lernberatung und sollte daher
auch für jeden leicht zugänglich sein. Eine Servicezentrale, die
eTandem-Partner sucht und Materialien zur Verfügung stellt, muss
auch eTandem-Berater vermitteln können, die die Lerner im direkten
Gespräch vor Ort sowie per Telefon und/oder Internet unterstützen
können. Diese Lernberater können an Schulen oder auch
freiberuflich arbeiten. Sprachschulen, die Tandemberatung auch für
externe Lerner anbieten, können damit ihr Lehrangebot und ihren
Kundenkreis erweitern.
Parvis
Die Vermittlung von eTandem-Partnern, die
Erstellung von Lernmaterialien für eTandem-Lerner und die
Vermittlung von Beratern für eTandem-Lerner sind die
Aufgabenbereiche von Parvis. Aufgrund der Erfahrungen in der Tandem
Agency des International Tandem Network haben die
Autorinnen dieses Beitrags mit der Gründung von Parvis ein
entsprechendes Angebot entwickelt und arbeiten derzeit an der
Realisierung. Die Vermittlung von eTandem-Partnern verläuft
erfolgreich, Lernmaterialien und Lernberatung sind im Aufbau
befindlich.
Es werden nicht nur Einzellerner, sondern auch
Teilnehmer von Sprachkursen angesprochen, die mit einem
Tandempartner individuell weiterlernen und im Kurs Gelerntes in der
Praxis trainieren wollen. Für Anbieter von fremdsprachlichen
Weiterbildungsmöglichkeiten wie Volkshochschulen, Privatschulen
oder Anbieter firmeninterner Sprachkurse bedeutet die Aufnahme von
eTandem in das Lehrangebot eine Bereicherung und Öffnung für mehr
Interessenten.
[Anfang]
Die Entstehung von Parvis geht auf die
Forschungsarbeiten des von der Ruhr-Universität Bochum
koordinierten International Tandem Network zurück: Hier
wurde eTandem im Rahmen mehrerer EU-Projekte an zahlreichen europäischen
und außereuropäischen Bildungseinrichtungen erforscht und erprobt.
So wurde 1994 die Tandem Agency gegründet und vermittelt seither
Lerner aller Sprachen auf der ganzen Welt.
Was zunächst als Vermittlungsagentur für die
Studierenden der teilnehmenden Einrichtungen gedacht war,
entwickelte sich schnell zu einer Anlaufstelle für
Fremdsprachenlerner aus allen Ländern und jeden Alters, die mit
einem eTandem-Partner zusammenarbeiten wollten. Das Gründerteam von
Parvis hat die Tandem Agency seit ihrem Bestehen koordiniert, an
ihrem Ausbau und an der Pflege der Daten mitgewirkt. Seit 1999 ist
Parvis mit der Betreuung der Lerner und Pflege der Datenbank der
Tandem Agency mit Sitz an der Ruhr-Universität Bochum beauftragt.
Seit ihrer Entstehung wurden durch die Tandem
Agency und das Parvis-Team weltweit bereits etwa 50.000
eTandem-Partner vermittelt. Aufgrund der großen Anfrage (für mehr
als 300 Sprachkombinationen) wurden die Aufgaben zwischen der Tandem
Agency und der Firma Parvis geteilt. Schüler und Studierende können
bei der Tandem Agency einen eTandem-Partner finden. Für alle übrigen
erwachsenen Lerner bietet Parvis verschiedene Vermittlungsservices.
Perspektiven
Individuelles lebenslanges Weiterlernen wird auch
im Fremdsprachenbereich in Zukunft immer wichtiger und durch die Möglichkeiten,
die die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien zusammen
mit einer entsprechenden Didaktik bieten, immer leichter
realisierbar. Daraus ergibt sich auch ein steigender Bedarf an
entsprechenden Dienstleistungen. So werden auch immer mehr
Sprachlernberater benötigt, die bei allen Formen selbstgesteuerten
Fremdsprachenlernens - darunter auch Lernen im eTandem - zu Rate
gezogen werden können. Fremdsprachenlehrer werden entsprechende
Zusatzqualifikationen erwerben, es kann sich aber auch ein eigenes
Berufsbild „Sprachlernberater/in“ herausbilden.
[Anfang]
Literatur:
Brammerts, Helmut. (1999). Tandem:
Lernpartnerschaften über das Internet. In Donath, Reinhard (Ed.).
Internet und Multimedia in der Erwachsenenbildung (pp. 49-54).
Stuttgart, Düsseldorf, Leipzig: Klett.
Brammerts, Helmut & Kleppin, Karin (Eds.).
(2001). Selbstgesteuertes Sprachenlernen im Tandem. Ein Handbuch
(Forum Sprachlehrforschung. 1). Tübingen: Stauffenburg. [in press]
D'Atri, Dawn & Szymanski, Sandra. (2001).
Dienstleistungen für erwachsene Tandemlerner. In Brammerts &
Kleppin (Eds.), 155-157.
Weiterhin die Tandem-Server, z.B. in Bochum
http://www.slf.ruhr-uni-bochum.de
Die Homepage der Tandem Agency:
http://www.slf.ruhr-uni-bochum.de/ta.html
Die Homepage von Parvis, das allerdings keine
Parterschaften mehr vermittelt:
http://www.etandemlearning.com
Diskussion mit Sandra Szymanski, Parvis:
Freitag, 14. September 2001, von 16 bis 18 h (Mitteleurop. Zeit)
im Raum: "New Technologies"
[Anfang]
Tandem-Materialien-Katalog
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