|
Deutsche Abteilung
Die
Prinzessin
und der
Computer
-
DeutschlernerInnen schreiben
gemeinsame Märchen über die Grenzen hinweg
Jürgen Wolff
Die hier wiedergegebenen Erfahrungen sind in der
Zusammenarbeit mit Mónika Bankó, Markus Costabiei, Daniela Drinková,
Anita Bugláz, Olatz Errazti, Katalin Lukácz, Peter Zemp und
'unseren' Klassen entstanden.
|
Diesen Text gibt es auch im Format PDF von Adobe Acrobat,
mit dem Sie lange Texte schnell herunterladen und später lesen
können.
Falls Sie den Reader nicht haben, können Sie ihn
kostenlos bekommen.
| Zum Herunterladen dieses Textes bitte
klicken ---> |
 |
|
|
0. Worum geht es ?
Als eine Klasse im
baskischen Küstenort Zarautz am Schuljahresbeginn per Umfrage nach
ihren Wünschen für das nächste Deutschjahr gefragt wurde, tauchte
bei sehr vielen Antworten der Begriff ‘Märchen’ auf. Wie sich
bei der Themenerkundung der Gruppe ‘Märchen’ auch
herausgestellt hat, , scheint die Faszination dadurch ungebrochen,
obwohl die Tradition des Märchenerzählens immer mehr verloren
geht. Aber ein Deutschunterricht, der die Aktivität der LernerInnen
in den Mittelpunkt stellen will, verträgt sich schlecht mit einem/r
DeutschlehrerIn als ‘Märchenonkel/tante’.
Es ist auch nicht nötig,
daß der/die LehrerIn erzählt, denn einige Grundmuster sind bei
allen Kindern und Jugendlichen bekannt. So liegt es nahe, aus dem
Wunsch nach Märchen ein Projekt zu machen, in dem die LernerInnen
selbst Märchen schreiben. Dabei kommen uns die Vorteile der
Textverarbeitung für Korrektur und Zusammensetzen von Textteilen
und die Anziehungskraft des Computers gut zustatten, auch wenn diese
Verbindung von Tradition und Fortschritt auf den ersten Blick ein
Widerspruch scheint.
Alles, was ich hier
beschreibe, läßt sich auch natürlich auch ohne Computer, E-Mail
und Internet, ‘nur’ mit Tafel, Briefen und Büchern machen.
[Anfang]
1. Wer - wo - wie
lange ?
Die im folgenden
beschriebene Erfahrung wurde mit 14 Dreizehnjährigen (12 Mädchen,
2 Jungen) in Zarautz gemacht, die sich im zweiten Lernjahr mit wöchentlich
zwei Stunden Deutsch als Wahlfach befanden.
Sie dauerte 10 Stunden, die
etwa im Monatsrhythmus auf das Schuljahr verteilt wurden. Mit 15
oder 20 Stunden wäre sie auch nicht langweilig geworden, und die
Ergebnisse wären noch besser.
2. „Nicht für
die Schule, sondern für die PartnerInnen lernen wir.“
Zarautz ist nicht Mallorca,
und Aussicht auf unmittelbaren Kontakt mit Deutschen oder einen
Arbeitsplatz in einem Hotel gibt es wenig. Das Fach hat bei der
Notengebung kein Gewicht. So muß mensch sich schon etwas Besseres
einfallen lassen, um eine Motivation zu schaffen. In unserem Fall
ist das eine Partnerschaft: alle LernerInnen der gesamten Klasse
sind mit den Jugendlichen einer Partnerklasse in Veszprém/Ungarn
verschwistert, die sie nur von Fotos kennen.
Baskisch wird an keiner
deutschen Schule gelernt, so kommt der echte Tandemansatz
(Sprachlernen im Austausch, d.h.Deutsche lernen Baskisch und lehren
Deutsch, BaskInnen lehren Baskisch und lernen Deutsch) in unserer
Lage nicht in Frage. Wir behelfen uns mit einer Abwandlung, indem
wir Deutsch als ‘Werkzeugsprache’ einsetzen, das heißt, die
Ungarn und die BaskInnen verständigen sich auf Deutsch. Das
Vorgehen ist an anderer Stelle (‘Deutsch im Austausch / Deutsch
durch Austausch / Deutsch für Austausch’) genauer erklärt.
[Anfang]
3. Wie entwickelt
sich so ein Projekt ?
Wir beschreiben hier den
Ablauf Stunde für Stunde, wobei es kein unumstößliches Modell
ist, sondern eher ein Beispiel. Dabei ist die angegebene Zeit eher
knapp, wenn eine Gruppe viel Energie auf das Ausschmücken und
detailgetreue Erzählen verwendet, dauert es länger.
3.1.
Die LernerInnen wählen Märchen
aus und bilden dementsprechend Gruppen. Bei uns sind es
Für den ersten Schritt ist
es einfacher, aus vorhandenen Modellen auswählen zu lassen, anstatt
ganz neu zu erfinden. (Überraschenderweise wurde nicht auf
Gestalten aus der reichhaltigen baskischen Mythologie zurückgegriffen,
obwohl die Erstsprache der meisten Jugendlichen und die Hauptsprache
der Schule Baskisch ist.)
Um jedem/r eine klar
umgrenzte Aufgabe und ein eigenes Feld zur Entwicklung seiner/ihrer
Phantasie zu geben, hatten wir die Grenzen zwischen Märchen und
Theaterstück verwischt und jedeR LernerIn wählt eine Rolle, die
er/sie im Märchen übernehmen will. Nun stellt sich die Frage, wie
14 Personen gleichzeitig ein Schneewittchen, eine Stiefmutter, einen
Prinzen, 7 Zwerge, einen Wolf, eine Mutterziege, 7 Geisslein, noch
einen Wolf und drei Ferkelchen sowie drei ErzählerInnen, also 26
Rollen, verkörpern können ...
Es stellt sich heraus, daß
es niemandem Schwierigkeiten macht, gleichzeitig ErzählerIn und
Wolf auf der einen Seite zu sein und auf der anderem Seite mit
jemand zusammenzuarbeiten, der 7 Geisslein auf einen Schlag
darstellt, das heißt, ein Paar oder eine Kleingruppe kann sehr wohl
ein Märchen mit mehreren Personen schreiben.
Schwieriger wird es
umgekehrt, wenn zehn LernerInnen beschließen, daß je eine/r
Schneewittchen, die Stiefmutter, den Prinzen und die sieben Zwerge
übernehmen. Wenn mensch diese Grundentscheidung respektiert, gibt
es zwei Möglichkeiten: entweder wird der Unterricht aufgrund des
hohen Koordinationsaufwands zu einem dauernden Zwergenaufstand, oder
aber es gibt eineN KoordinatorIn, wahrscheinlich am Anfang den/die
LehrerIn, der/die arbeitsteilig Aufgaben vergibt und die Stücke zu
einem Mosaik zusammenfügt.
Eine andere Möglichkeit
ist es, von vorneherein die Teilnehmerzahl jeder Märchengruppe zu
begrenzen. Wegen der Arbeit vor dem Computer bieten sich Paare an,
mit drei Personen ist es wohl auch noch sinnvoll.
Im folgenden werden wir den
Prozeß bei dieser größten Gruppe beschreiben, weil es
anspruchsvoller und aufwendiger ist, sie zu koordinieren.
Damit nun die zahlreichen
Paare nicht dauernd auf den/die LehrerIn zurückgreifen müssen,
lernen sie als nächstes den Umgang mit einem Bildwörterbuch von
der Art des Kinderdudens oder ähnlichen Werken, die Bild und Wort
verknüpfen, ohne eine Übersetzung anzugeben. Besonders trainieren
wir:
-
wenn mensch ein Wort
sucht, das entsprechende Wortfeld auf der Bilderseite zu finden
-
danach Artikel und
Pluralformen im Register zu finden.
Damit ist die erste Stunde
voll ausgefüllt. Der Gruppenbildungsprozeß wird dabei höchstwahrscheinlich
in der eigenen Sprache, nicht auf Deutsch stattfinden, auch Namen
wie ‘Schneewittchen’ müssen übersetzt oder durch Bilder der
typischen Figuren mit ihren deutschen Namen vermittelt werden.
[Anfang]
3.2.
Mithilfe einer vom/n der
LehrerIn vorbereiteten Fragenliste, die danach auch als Hausaufgabe
gegeben werden kann, definiert jedeR seine Persönlichkeit, ohne
anzugeben, was er/sie im Märchen macht. Auch hier wird es wieder zu
erstsprachlichen Diskussionen kommen, wie zum Teufel denn nun der
dritte Zwerg genau hieß. Die Entsprechung im Deutschen wird auch
der/die LehrerIn nicht immer genau angeben können, außer er/sie
hat das Märchen nocheinmal durchgelesen.
3.3.
Bisher haben wir mit jeder
Märchengruppe gleich und oft im Klassenverband gearbeitet, die
Anweisungen waren für alle gleich. Das ändert sich jetzt, es wird
eine Arbeitsteilung eingeführt, damit immer alle etwas zu tun haben
und niemand auf den/die andereN warten muß. In der Zwergengruppe
sieht das so aus:
alle gemeinsam gliedern das
Märchen anhand eines vom/n der LehrerIn gegebenen Blattes in vier
‘Szenen’. Ein Paar wird Redaktionskomitee und tippt den Titel,
die AutorInnennamen und eine Vorstellung aller Beteiligten anhand
der in 3.2. geschriebenen Blätter ein.
Diese Vorstellung wird per
E-Mail an die Partnerklasse geschickt, mit einem Begleitbrief, der
sie dazu auffordert, Fragen zu den Personen zurückzuschicken, die
im Laufe des Märchens beantwortet werden sollen.
Ein anderes Paar zeichnet
Bilder von den Zwergen, Schneewittchen, der Stiefmutter und dem
Prinzen. Damit auch ein Lerneffekt im Deutschen eintritt,
beschriften sie alle Körperteile und Kleidungsstücke, sodass die
anderen diese Bilder als Vokabeltrainer benutzen können.
Die restlichen vier Gruppen
übernehmen jede eine der obengenannten Szenen, sammeln den nötigen
Wortschatz und beschreiben dann, was darin im allgemeinen passiert
und was sie selbst sagen.
[Anfang]
3.4.
Beim Erfinden der
Teilszenen wird ein hoher Wortschatzbedarf auftreten, der durch
Nachschlagen von Einzelwörtern im Bildwörterbuch nur sehr langsam
befriedigt werden kann. Deshalb bauen wir nach einer Weile Arbeit am
eigenen Text einen Ausflug in das Internet ein, genauer gesagt auf
die Märchensammlung ‘Gutenberg-Projekt’ unter http://gutenberg.aol.de/gutenb.htm
Die Feinplanung dieser
Stunde wird in Absatz 4 beschrieben.
So kommen die LernerInnen
an eine ausgedruckte Version ‘ihres’ Märchens, von der sie
einerseits beeindruckt sind, weil sie sie selbst ‘aus dem Computer
geholt’ haben, andererseits aber auch leicht erschlagen werden,
weil sie im Präteritum geschrieben ist und ein ausgefallenes
Vokabular verwendet. Hier müssen vom/n der LehrerIn genaue Entschlüsselungshilfsmittel
gegeben und gemeinsam durchprobiert werden. Außerdem sollte er/sie
markieren, wo die entsprechenden Szenen sind, und jeder Gruppe nur
Aufträge für ihre Szene geben.
3.5.
Nun werden einige
Kernpassagen aus dem Internet-Text und/oder Wortschatzverschönerungen
in den eigenen Rohtext eingebaut. Dabei muß der/die LehrerIn
weiterhin oft ermutigen, nicht blockiert vor dem authentischen Text
zu sitzen, sondern ihn zu entschlüsseln und zu vereinfachen.
3.6.
Die Fragen, die die
Partnerklasse anhand der in 3.2. geschickten Einleitungs- und
Vorstellungsabsätze formuliert hat, sind eingetroffen und werden
verteilt. JedeR überprüft seinen/ihren Text, ob sie in der
Zwischenzeit schon beantwortet worden sind. Andernfalls ergänzt
er/sie die entsprechenden Informationen.
[Anfang]
3.7.
Alle Teilstücke werden
ausgedruckt oder kopiert und allen anderen Paaren in der gleichen
Gruppe gegeben. Danach revidiert jedes Paar seinen Text nochmal,
damit sie sich nicht widersprechen, und das Redaktionspaar schafft
die Übergänge. Ein Paar kann sich wieder dem Zeichnen widmen,
diesmal geht es nicht mehr um einzelne Figuren, sondern um wichtige
Szenen.
3.8.
Die Paare verschönern ihre
jeweiligen Seiten. Darauf steht nun ein Text in der dritten Person,
sowie ein paar Sätze, die von ihnen selbst gesprochen werden. Durch
Einzeichnen von Köpfen und Sprechblasen lassen sich letztere in
eine comic-ähnliche Illustration verwandeln. Das Zeichenpaar macht
sich an das Titelblatt und Trennblätter zwischen den einzelnen Märchen,
wobei es eventuell auf Grafikprogramme anstatt auf die
Zeichenutensilien zurückgreift. Das Redaktionspaar kümmert sich um
die Endredaktion, das Ergebnis wird geheftet und kopiert. Es geht
per E-Mail und als ausgedruckte buntgemalte repräsentative Version
an die Partnerklasse, jedeR AutorIn bekommt ein Exemplar, um es
stolz den Eltern, Geschwistern, KlassenkameradInnen usw. zu zeigen.
Falls das Schuljahresende
naht, darf das nicht dazu führen, dass die Blätter in Eile dem/r
LehrerIn abgegeben werden, der sie mit dem Gefühl abheftet, die
LernerInnen zum Schreiben überlistet zu haben. Das fertige Produkt
ist wichtig und muß gebührend gewürdigt und anderen zugänglich
gemacht werden, sonst bleibt es eine Trockenübung wie ein Aufsatz
mit dem Thema ‘Schreib einen Brief an ...’, der nie gelesen
wird, ausser bei der Korrektur ...
3.9.
Inzwischen sind die Anfänge
der Märchen aus Ungarn angekommen, sie werden auf Gruppen
aufgeteilt, und diese formulieren Fragen dazu, die per E-Mail an die
Partnerklasse geschickt werden. Und einige Zeit später kommen dann
die vollständigen Märchen aus Ungarn ...
[Anfang]
Noch ein Wort zum
Korrekturverfahren: da viele Paare parallel arbeiten, würde eine
Korrektur während des Unterrichts nur durch den/die LehrerIn dieseN
soweit lahmlegen, daß für sonstige Hilfestellungen keine Zeit
bliebe. Auf der anderen Seite wird das Ergebnis veröffentlicht und
in der Partnerklasse als Unterrichtsmaterial verwendet und muß
daher fehlerfrei sein.
Wir lösten das Dilemma
folgendermaßen: die LernerInnen werden in den Umgang mit dem
Korrekturprogramm der Textverarbeitung eingeführt, einschließlich
der Umschaltung auf Deutsch, und korrigieren vor dem Ende jeder
Stunde selbst die Rechtschreibung, und drucken den Text aus. Der/die
LehrerIn korrigiert nach dem Unterricht auf dem Papier die sonstigen
Fehler und verteilt sie am Anfang der nächsten Stunde. Die
LernerInnen tippen die Korrekturen selbst am Bildschirm ein.
Ein anderes heißes Eisen
sind die Hausaufgaben. Der hier beschriebene Rhythmus galt fast ohne
Hausaufgaben, das heißt, es wurden zwar immer Aufgabenblätter
mitgegeben, aber nur von einigen und eher selten gemacht. Bei einem
Wahlfach kann mensch wohl auch nichts anderes erwarten.
4. Feinplanung der
Einführung in die Internet-Recherche (Stunde 4)
Alle LernerInnen sitzen in
Paaren oder Dreiergruppen am Computer. Der/die LehrerIn gibt denen
am Computer, der direkt ans Modem angeschlossen ist, Anweisungen, um
ins Internet einzusteigen.
Danach arbeiten alle anhand
eines Aufgabenblattes:
-
zur www-Adresse gehen
-
bei ‘Autoren’
‘Grimm’ suchen
-
‘Märchen’ wählen
-
‘Grimms Märchen’
wählen
-
im alfabetischen
Verzeichnis das eigene Märchen auswählen
-
drucken
-
noch ein bißchen bei
anderen AutorInnen und Märchen herumlesen
-
schließen.
Der/die LehrerIn verteilt
eine Liste der Infinive, Perfekt- und Präteritumformen und führt
vor, wie die LernerInnen Verben von zentraler Bedeutung im
Internettext finden, dann die Präteritumform auf der Liste suchen
und dazu den Infinitiv finden (das Präteritum ist in diesem
Lernjahr noch unbekannt). Weitere Suchaufgaben können als
Hausaufgabe gegeben werden.
Außerdem müssen an
manchen Sätzen Leseverstehenstechniken aufgefrischt werden, damit
das Ergebnis nicht von Begeisterung zu Enttäuschung umschlägt.
[Anfang]
5. Was halten wir
danach in den Händen ?
Betrachten wir das
entstandene Märchenheft mit kritischen DeutschlehrerInnenaugen, so
finden wir:
eine Fassung von
‘Schneewittchen und den sieben Zwergen’ mit einer ausführlichen
Einleitung. Stellenweise merkt man, daß sie aus einer
Aneinanderreihung von Texten entstanden ist und keine Zeit war, mit
der Redaktionsgruppe Textmerkmale und Konnektoren zu behandeln.
Danach vier Szenen, in denen manchmal Präteritaformen neben Präsens
stehen, jenachdem ob die Sätze aus Internet übernommen oder selbst
formuliert wurden. Manche der Comicspruchblasen sind unfreiwillig,
andere wiederum bewußt komisch.
Bei den ‘Drei
Ferkelchen’ merkt man, daß es keine Internetanregung gab und
alles selbst formuliert ist. Das Eingehen auf die Fragen aus Ungarn
nimmt einen breiten Raum ein.
‘Der Wolf und die sieben
Geissen’ ist ein Versuch, das Märchen völlig umzuschreiben,
schon bei der Rollendefinition beginnt es mit einem sympathischen
Wolf. Die Liebe der AutorInnen zum Detail führte dazu, daß sie
nicht über die Einleitung hinauskamen, so entstand ein Märchen zum
Weiterschreiben.
Dieselbe Absicht findet
sich im ‘Märchen über ein tapferes Pferd’ aus Ungarn, wo die
Beziehungen von Tier und Mensch umgekehrt werden. Demgegenüber sind
‘Dornröschen’, das nach Legoland verzogen ist, der ‘Drache
und die Maus’ und der ‘Böse Räuber und der böse Jäger’
eher nach dem herkömmlichen Modell geschrieben. Beim ‘Märchen
von Osone’ wird das Ozonloch mit Märchenfiguren verknüpft, auf
das Ende darf mensch gespannt sein.
Insgesamt handelt es sich
um Texte, die (bei den Ungarn) noch endkorrigiert oder (bei den
BaskInnen) verfeinert werden sollten, aber dennoch um ein für die
kurze Zeit ‘ansehnliches Produkt’.
[Anfang]
6. Was haben die
Gruppen gelernt ?
Auf der sprachlichen Ebene
gibt es eine Erweiterung des Wortschatzes, wobei viele der Spezifika
der Märchen wohl bald wieder vergessen werden, weil sie nicht oft
gebraucht werden. Die neuen Zeitformen werden nicht beherrscht, höchstens
passiv identifiziert.
Das Leseverstehen wird
sowohl für kurze Fragen (Fragen der Partnerklasse) als auch für
Handlungsanweisungen (auf Internet), selektives Lesen (Auswahllisten
auf Internet) und globales und totales Lesen (bestimmte Abschnitte
aus den Internet-Märchenvorlagen) weiterentwickelt.
Dazu tritt durch Fragen
oder eine Vorlage gesteuertes Schreiben, wobei das Bauen eines
Textes noch weiter vertieft werden müßte.
An Lerntechniken ist der
Umgang mit Bildwörterbüchern hervorzuheben, unter sonstigen
Hilfsmitteln größere Vertrautheit mit dem Computer, besonders der
Textverarbeitung, Finden einer Adresse im Internet und Verfassen und
Absenden von E-Mail.
Im Bereich des sozialen
Lernens die Fähigkeit, an einem gemeinsamen Projekt arbeitsteilig
zu arbeiten, wobei ehrlicherweise zugegeben werden muß, daß die
Einteilung als solche weitgehend vom/n der LehrerIn vorgegeben
wurde.
Schließlich, auch wenn das
kein offizielles Lernziel ist, ist es vielleicht trotzdem das
befriedigendste: manche haben gesehen, daß der Wolf kein
aggressives Unwesen ist, und daß die Umwelt verteidigt werden muß.
[Anfang]
7. Technische
Hinweise
Das Projekt kann auch ohne
Computer durchgeführt werden, dann tritt an die Stelle der
Internetrecherche das Suchen in Büchern, da die ‘Drei
Ferkelchen’ nicht unter den Gutenberg-Märchen zu finden sind, mußten
wir als Vorlage ein Büchlein nehmen. Auch die E-Mail ist durch
Briefe oder Faxe ersetzbar, in unsrem Fall waren manche Botschaften
wegen unterschiedlicher Programme nicht lesbar. E-Mail ist zwar
wegen ihrer Schnelligkeit interessant, aber durch die wenigen
Deutschstunden pro Woche und die Bearbeitungszeit zwischen Erhalt
und Absendung der Antwort wird dieser Vorteil wieder relativiert.
Wenn mensch die notwendige
technische Infrastruktur hat, braucht der Umgang mit der Informatik
, unabhängig vom Deutschlernen, oft viel Zeit. Sei es, daß der/die
LehrerIn selbst unsicher ist und oft auf die Hilfe der LernerInnen
zurückgreifen muß, oder sei es, daß diese gerade erst im
Informatikunterricht lernen, wie mensch einen Text auf einer
Diskette abspeichert oder alle fünf Minuten unfreiwillig die
gesamte Festplatte auf Viren durchsuchen.
Dazu kommt oft ungenügende
Wartung der Computer, sodaß es am sichersten ist, wenn immer auf
Festplatte und auf persönlicher Diskette der LernerInnen
abgespeichert sowie das Ergebnis jeder Stunde ausgedruckt wird.
Eine Arbeitserleichterung
ist die Installation eines Rechtschreibkorrekturprogramms, oft müssen
die Programme für seltenere Sprachen erst gekauft werden, dann ist
es sinnvoll, sich mit anderen weniger gelehrten Fremdsprachen zu
verbünden und sich gemeinsam dafür einzusetzen.
Allerdings sollte der
Computerraum nicht soweit eine zentrale Rolle einnehmen, daß er der
einzige Aufenthaltsraum wird, denn die übliche Frontalsitzordnung
solcher Räume stört die Gruppenprozesse. Für bestimmte Phasen ist
der normale Klassenraum mit Stuhlkreis besser geeignet.
An Quellen steht neben der
schon genannten Internet-Adresse die
AG Deutsche Märchenstraße
Postfach 10 26 60
34... Kassel
zur Verfügung, die zwar
kein didaktisiertes Material verschickt, aber Karten und Prospekte,
die zur Veranschaulichung und Dekoration dienen können. Von einer
auch manchmal genannten Adresse bei der Hessischen Staatskanzlei
erhielten wir keine Antwort.
Eine gezielte Suche auf
Internet ergibt bestimmt noch weitere interessante Quellen. Dabei
sollte die Begeisterung aber nur soweit gehen, wie die LernerInnen
sich weiter für Märchen interessieren. Wenn bei den Vierzehnjährigen
andere Themen auf der Prioritätenliste erscheinen, dann muß auch
der Unterricht sich umstellen und besser Anfragen an Jugendherbergen
oder Verfassen von Liebesbriefen trainieren.
[Anfang]
DaF-Materialien-Katalog
|